Forscher der TU Berlin untersuchten die Baugeschichte des Schlosses Charlottenburg

Bauforschung im Schloss Charlottenburg

Bauforschung im Schloss Charlottenburg

Das als Wohnsitz der preußischen Königin Sophie Charlotte bekannte Schloss verzeichnet eine fast 100jährige Baugeschichte. Architekten und Baumeister wie J.A. Nering, Eosander von Göthe, G.W. von Knobelsdorff und C.G. Langhan errichteten das Schloss mit Orangerie und Park von 1695 bis 1791 im Stil des Barock, Rokoko und Klassizismus in mehreren Bauabschnitten.

Im Zeitraum 2007 bis 2010 beauftragte die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) drei bauhistorischen Forschungen an Schlossfassaden, Küchenflügel und Kellergeschossen. Ziele waren die Dokumentation der Baugeschichte, das Aufzeigen konstruktiver Unterschiede der verschiedenen Bauzeiten und eine Bestandsaufnahme des derzeitigen baulichen Zustands.

Neben Begehungen nutzten die Forscher des Fachgebiets Historische Bauforschung der TU Berlin den Archivalienbestand der Stiftung sowie weiterer Berliner Archive, analysierten historische Ansichten, Entwurfszeichnungen, Pläne und Grundrisszeichnungen von der Erbauungszeit an bis zu den Aufbauarbeiten nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges. Das so entstandene „Baugeschichtsprotokoll“ ist nun Grundlage für den künftig anzuwendenden denkmalpflegerischen Leitfaden.

Fassadengestaltung im klassischen Barock

Entscheidende Veränderungen am Aussehen des bislang eher kleinen Kernbaus mit seinen zwei Risaliten und seitlichen Erweiterungen nahm während der zweiten Bauphase (1702 – 1713) der damalige Baumeister Eosander vor. Die Säulen am vorhandenen Bau ließ er abnehmen, die Köpfe und untersten Bauteile dieser Säulen setze er zur Gliederung der Nordfassade am Ost- und Westflügel wieder ein. Um 1800 ersetzten Brüstungen und Drehflügelfenster die bis dahin bis zum Boden reichenden Schiebefenster.

Ziel des Wiederaufbaus der durch den Zweiten Weltkrieg bis zu 60 % zerstörten Schlossanlage war die Wiederherstellung und Optimierung des barocken Erscheinungsbildes. Dazu gehörte neben der Errichtung einer figurenbesetzten Balustrade an der parkseitigen Fassade auch die Rückkehr zu den barocken Schiebefenstern.

Für die Farbe von Fassade und Dächern gibt es für das 17. und 18. Jahrhundert keine gesicherten Erkenntnisse. Auf den frühesten kolorierten Ansichten zeigen sich die Fassaden in zumeist hellen Ockertönen mit farblich abgesetzten Architekturgliedern und schwarzen Dächern. Für die Renovierung nach dem Zweiten Weltkrieg entschied man sich für eine einheitliche Farbgebung in einem hellen Gelb und Architekturgliedern in Hellgrau. Diese Farbgebung ist bis heute weitestgehend erhalten, lediglich die Ersetzung der damals verwendeten dunkelgrau-violetten durch rote Dachziegel verstärkt heute das barocke Erscheinungsbild.

Anbau des Küchenflügels

Der 1700/1701 als zusätzlicher Platz für Bedienstete, Keller und Küchen geschaffene östliche Wirtschaftsflügel war weniger aufwendig gestaltet und zunächst nicht mit dem Kernbau verbunden. Erst Eosander fügte die Gebäude in der zweiten Bauphase durch das Einbringen einer Gebäudeachse aneinander. Weiteres unterscheidendes Konstruktionsmerkmal sind die gemauerten Bögen der in dieser Zeit entstandenen Wände.

Der Küchenflügel wurde von den Weltkriegsbomben verschont, er diente in jenen Jahren als Luftschutzkeller. Damit einhergehend wurden die Räume neu aufgeteilt, ein Teil der Decken durch Stahlträgerkonstruktionen ersetzt und ein Großteil der Fenster zugemauert. In den Nachkriegsjahren wurden eine Heizungseinlage und eine Diesel-Notstromanlage eingebaut sowie an der Ostseite eine Außentreppe erbaut.

Kellernutzung seit Baubeginn

Das Schloss ist seit der Errichtung teilweise unterkellert, die Nutzung und auch der Bauzustand haben sich mehrfach verändert. Für die Wände wurde in den unterschiedlichen Bauphasen Natursteinmauerwerk und Ziegel verwendet. Die hauptsächlich im Küchen- und Kavalierflügel vorhandenen Ziegelfußböden waren offensichtlich schon immer gepflastert, für den Bereich des Alten Schlosses fehlt dieser Nachweis. Hier geben die neben jüngeren Ziegelfußböden vorgefundenen Sandböden wahrscheinlich den Erstzustand wieder. Die Deckenkonstruktion hat sich verändert und stimmt mit dem heutigen Bestand nur noch teilweise überein. Die Untersuchungen belegen eindeutig, in welchen Räumen älterer Bestand zu finden und wo nachträglich Decken und Gewölbe wegen Umnutzung als Weinkeller oder Luftschutzbunker, Stützung von Neuaufbauten oder Schäden eingezogen wurden.