Was die Museumsinsel auszeichnet

Im Gegensatz zu den wirklich allermeisten Neubauten in Berlin ist die althergebrachte Museumsinsel auch architektonisch eine Insel inmitten von Charakterlosigkeit und bautechnischer Langeweile. Dieses großartige Bauwerk zieht heute viele Touristen an und beherbergt vorzügliche Sammlungen aus aller Welt. Ein Besuch lohnt sich immer und wer ein bisschen Zeit hat, sollte auch mal auf die einzelnen Gebäude dieses Sammelsuriums werfen, schließlich finden sich hier im Gegensatz zum überwiegenden Rest der Stadt noch Ausdruck und Ausstrahlung.

Eine andere Zeit..

Die Wilhelminische Ära vor dem Zweiten Weltkrieg und die ihr vorausgehende Gründerzeit war sicher auch ein ausgezeichnete Gelegenheit zum Spott und zur berechtigten Häme, das hat uns Heinrich Mann in seinem berühmten Werk „Der Untertan“ treffend vorgeführt. Die lächerliche Strenge und Verlogenheit, der Dünkel und das Großherrentum führten später zumindest teilweise in die deutsche Verwerfung namens Nationalsozialismus, doch bautechnisch war diese Ära sicher einiges wert. Klar, man muss im Angesicht des Pergamonmuseum oder auch der Alten Nationalgalerie schon etwas übrig haben für den nicht selten auch aufgeblasenen Klassizismus, doch wie sonst sollte man Exponate wie den Pergamonfries, das Tor von Milet oder ganz simpel Skulpturen und Schätze der Antike beherbergen?

Heute würde das Ganze wahrscheinlich in einem gesichtslosen, in grau oder weiß, natürlich, lackierten Betonbunker verwahrt, der mögliche Besucher mit einem seltsamen Gefühl zurücklassen würde! Berlin profitiert bei seiner Museumsinsel unzweifelhaft vom Wilhelminischen Erbe beziehungsweise vom Nationalismus des 19. Jahrhundert und das darf man auch ruhig mal etwas deutlicher betonen!

Die Elemente

Ich will hier gar nicht jedes Haus auf der Museumsinsel im Detail beschreiben, das können Reiseführer viel besser. Mich interessiert vielmehr dieses eigenartige Zusammenspiel, das zwar eine Struktur in der architektonischen Verwahrung von Kulturgütern aufweist, trotzdem jedoch höchst interessante Brüche im Detail zulässt. Natürlich sind Bode Museum, Altes wie Neues Museum und auch die erwähnte Nationalgalerie in der mit Säulen, Kapitellen und manchem Portikus versehenen Architektur verpackt und auf den Betrachter wirkt das zunächst alles ähnlich. Das war ja auch beabsichtigt, doch schleicht sich hier aufgrund der Zeit und des Verfalls ein in meinen Augen wunderbares Element der Destruktion und Störung hinein: Die Renovierungen!

Ich bin da sicher etwas abseitig, da die meisten Leute sich die ganze Museumsinsel in voller – sanierter – Pracht wünschen, doch ich finde gerade die Unvollständigkeit und Unzugänglichkeit machen dieses Areal ganz besonders interessant. Erst vor Jahren wurden das Bode Museum und das Neue Museum nach langer Restauration wiedereröffnet, doch jetzt ist erstmal für fünf Jahre der Pergamonbau dran und der Besucher kann die (sinnlosen) Bestrebungen nach Vollständigkeit in sich aufsaugen. Ja, ich meine das wirklich so, denn man stelle sich nur mal vor, die Museumsinsel wäre in ihrer Gänze fertig und voll begehbar! Das Ganze würde dann nicht mehr wie ein gewachsenes, dem Zahn der Zeit ehrlich und offen ausgeliefertes Sammelsurium, sondern eher wie eine öde Zusammenstellung verschiedener Gebäude. Größe und Charakter jedenfalls profitieren immer auch von der Unfertigkeit und so hoffe ich ganz persönlich, dass auch in Zukunft ständig und eifrig an der Museumsinsel herumsaniert wird.