Ideen für eine moderne Gesellschaft in Berlin-Gropiusstadt

Ideen für eine moderne Gesellschaft in Berlin-Gropiusstadt

Bei der Berlin-Gropiusstadt handelt es sich um einen Ortsteil im Berliner Bezirk Neukölln. Die Stadt wurde in den Jahren von 1962 bis 1975 als Großwohnsiedlung erbaut und gilt seit 2002 als eigener Ortsteil im Bezirk Neukölln. Anlass dafür war das 40-jährige Jubiläum der Grundsteinlegung der Siedlung.

Bekanntheit erlangte die Berlin-Gropiusstadt vor allem durch das Buch „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ und den dazugehörigen Film „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ aus den 70er Jahren. Die weibliche Hauptprotagonistin Christiane Felscherinow wuchs in dieser Siedlung auf.

Die Planung der Berlin-Gropiusstadt begann Mitte der 1950er Jahre mit dem Gedanken, einen größeren Wohnraum für die Berliner Bevölkerung zu schaffen. Ab 1958 wurden schließlich die ersten Grundstücke für diese Großsiedlung angekauft. Ab dem Jahre 1962 übernahm der Bauhaus-Architekt Walter Gropius die Planung und versuchte die damals modernen Methoden des Städtebaus miteinander in Verbindung zu stellen. Er plante eine Hufeisensiedlung, kreisrunde Baukörper zwischen denen überschaubare Einfamilienhaussiedlungen entstehen sollten, dazwischen große Grünflächen als Erholungsraum und Auflockerung.

Hoch, modern und einzigartig – ein Vorzeigeprojekt

Aufgrund der veränderten Rahmenbedingungen musste die Planung im Jahre 1961 verändert werden, sodass die Bauten nun viel höher als geplant gebaut werden mussten. Daraus entstand eines der höchsten deutschen Wohngebäude mit 30 Wohnetagen und 89 Metern Höhe. Auch die Grünflächen mussten aufgrund der veränderten Rahmenbedingungen drastisch reduziert werden. Am 7. November 1962 wurde der Grundstein für den ersten Bauabschnitt gelegt und im Jahre 1975, 6 Jahre nach dem Tod von Walter Gropius, wurde das Bauprojekt fertiggestellt.

Anfänglich wurde die Gropiusstadt als attraktiver Ortsteil empfunden, der Lebensqualität vermittelte und viele Familien anlockte. Ab dem Ende der 1970er Jahre veränderte sich allerdings das Ansehen des Stadtteils. Aufgrund des Anteils von 90 Prozent an Sozialbauwohnungen wurde das Areal zunehmend zum Problemgebiet. Durch die verringerten Grünflächen und die beengten Flure entwickelte sich das soziale Leben nicht wie erwartet und die Bewohner kritisierten den Verlust der innenstädtischen Urbanität.

Neue Perspektiven für das Stadtviertel

Im Jahre 1986 wurde versucht, das Wohnumfeld zu verbessern, indem die Grünflächen aufgewertet und zusätzliche Angebot für die Jugend und die Bewohner geplant wurden. Allerdings führte auch das nicht zum gewünschten Erfolg.

Nach einer 40-jährigen Baupause wurde im Jahre 2014 mit einer Nachverdichtung der Gropiusstadt begonnen. Als erste Baumaßnahme wurden 240 kleine Wohnungen in die bestehende Grünanlange eingegliedert. Die Akademie Gropiusstadt, gegründet an der Technischen Universität Berlin, beschäftigt sich seit 2010 zudem mit der Neugestaltung und Aufwertung des Gebiets. Ziel ist es, die Wohnqualität und das Zusammenleben im Kiez mit Hilfe von gemeinschaftlichen Projekten zu verbessern.

Die Berlin-Gropiusstadt bietet seinen Besuchern auch ein paar Sehenswürdigkeiten, welche teilweise in die Berliner Denkmalliste aufgenommen wurde, so z. B. die Jungfernmühle und die Dreieinigkeitskirche. Eine weitere Sehenswürdigkeit ist das Rudower Wäldchen im Ortsteil, welches für den Gedanken einer grünen Stadt steht.