Die mittelalterliche Zitadelle Spandau

Die mittelalterliche Zitadelle Spandau

Die Zitadelle Spandau ist eine der wichtigsten Festungen der Hochrenaissance in Europa und zählt zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Berlins.

Der Bau der Zitadelle begann im Jahre 1560, allerdings fanden zuvor schon Vorarbeiten statt. Schon 1580 kam es zur ersten Belegung mit Mannschaften und im Jahre 1594 wurde der Festungsbau schlussendlich beendet.

Den Namen Zitadelle bekam die Festung im Jahre 1620. In den darauffolgenden Jahren kam es zu mehreren Explosionen auf der Bastion und in der Folge zu einem Wiederaufbau. Im Jahre 1935 wurden umfangreiche Forschungen am Nervengas Tabun in dem neu errichteten Laboratorium in der Zitadelle durchgeführt. Zu einer längeren Restaurierungsphase kam es in den Jahren von 1962 bis 1976. Im Jahr 1992 wurde das Stadtgeschichtliche Museum im Zeughaus eröffnet. In den Jahren von 1950 bis 1986 befand sich die Otto-Bartnig-Schule und Oberschule auf der Zitadelle. Seit dem Jahre 2004 findet die Verleihung des Gerhard-Löwenthal-Preises der Förderstiftung Konservative Bildung und Forschung in der Zitadelle statt.

Aktuell finden regelmäßig Konzerte, Festivals und andere Veranstaltungen in der Zitadelle Spandau statt. Ein besonderes Highlight ist das alljährliche Mittelalterfest. Zudem gibt es in der Zitadelle diverse Ausstellungen, z. B. zur Stadtgeschichte Spandaus oder andere Wechselausstellungen. Des Weiteren beherbergt das Gelände 40 Ateliers für Künstler und Kreative und diverse Veranstaltungsorte. welche auch für Feierlichkeiten wie Hochzeiten und Taufen gemietet werden können.

Die Baugeschichte der Zitadelle

Die Zitadelle Spandau wurde vom italienischen Architekten Francesco Chiaramella de Gandino geplant, welcher im Jahre 1578 durch den Italiener Rochus Graf zu Lynar abgelöst wurde. Die Zitadelle entsprach vollends der damaligen bautechnischen Idealvorstellung. Die Festung besitzt vier Bastionen, welche durch Kurtinen miteinander verbunden sind. Das Torhaus der Zitadelle befindet sich in der Südkurtine und besitzt eine Zugbrücke, die zur Sicherheit und Verteidigung diente. Der Entwurf des Torhauses wird dem italienischen Architekten Chiaramella zugeschrieben, da er als Venezianer das Stadttor Porta Nuova in Verona kannte und sich dadurch vermutlich die Inspiration zum Torbau holte.

Links vom Torhaus befindet sich der gotische Saalbau, der Palas. Dieser war das Wohnhaus der Burg, wo sich Landesherren während ihres Aufenthaltes niederließen. In der Bastion Königin befinden sich noch heute über 70 mittelalterliche jüdische Grabsteine, welche aus dem Zeitraum von 1244 bis 1474 stammen. Diese wurden während der Ausgrabungen in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts entdeckt. Die Grabsteine lieferten aufgrund ihres hohen Alters bedeutende Informationen über das jüdische Leben in der Region.

Der Juliusturm der Zitadelle Spandau gilt als eines der Wahrzeichen Spandaus. Seine Spitze ist nur mittels der berühmten Wendeltreppe erreichbar, welche nach dem Vorbild der neugotischen Treppe rekonstruiert wurde. Anfänglich diente er als Wehrturm und Wachturm und wurde zwischenzeitlich auch als Verlies genutzt. Die Zitadelle ist eine beliebte Hintergrundkulisse für Filmaufnahmen. Sie ist unter anderem in den Edgar-Wallace-Filmen zu sehen und wurde durch den Märchenfilm „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern” bekannt.