Das letzte Meisterwerk von Mies van der Rohe – die Neue Nationalgalerie

Das letzte Meisterwerk von Mies van der Rohe – die Neue Nationalgalerie

Die Neue Nationalgalerie ist ein Museum für die Kunst des 20. Jahrhunderts in Berlin. Sie gehört gemeinsam mit der Gemäldegalerie und dem Kunstgewerbemuseum Berlin zu den bekanntesten Museen am Kulturforum Berlin. Erbaut wurde die Neue Nationalgalerie von Ludwig Mies van der Rohe, einem deutsch-amerikanischen Architekten, der als einer der bedeutendsten Architekten der Moderne gilt und dessen Baukunst dem Ausdruck von räumlicher Freiheit und konstruktiver Logistik gewidmet ist.

Für den Bau der Galerie griff Mies van der Rohe auf einen eigenen Entwurf zurück, den er im Jahre 1957 für den Bau des Verwaltungsgebäudes des Rum-Herstellers Bacardi zeichnete, welcher nicht realisiert wurde. Ein weiterer Entwurf, dessen er sich bediente, war jener für das Museum Georg Schäfer, welches auch nie fertiggestellt wurde.

Klare, gerade Formen – die Funktionalität des Bauhauses

Der Bau der Neuen Nationalgalerie begann am 23. September 1965 und wurde im Jahre 1968 knapp 3 Jahre nach der Grundsteinlegung fertiggestellt. Aufgrund einer chronischen Erkrankung konnte Ludwig Mies van der Rohe an der Eröffnungszeremonie nicht teilnehmen. Kurz nach Beendigung des Baus verstarb Mies van der Rohe. Die Neue Nationalgalerie gilt somit als Vermächtnis eines begnadeten und visionären Baumeisters des 20. Jahrhunderts und als eine Ikone der modernen Baukunst. Die Neue Nationalgalerie war das erste Museum, welches am Kulturforum in Berlin Tiergarten eröffnet wurde. Weitere Museen sowie die Philharmonie folgten. Sie befinden sich in unmittelbarer Nähe und gehören zum neuen Zentrum am Potsdamer Platz.

Der Aufbau der Nationalgalerie entspricht einem von Ludwig Mies van der Rohe entwickelten Gedanken des Universalraumes. Es handelt sich um eine 105 x 110 Meter große Granitterrasse, auf welcher ein quadratischer Pavillon aufgesetzt wurde. Umschlossen wird das Gebäude von 7,2 Meter hohen Glaswänden, die zugleich die Haupthalle bilden. In der Haupthalle finden laufend Wechselausstellungen statt. Das Untergeschoss ist für die Dauerausstellung bestimmt. Auf der Westseite der Nationalgalerie befindet sich ein ummauerter Skulpturengarten. Mies architektonisches Werk steht für eine moderne Version des antiken Podiumstempels.

Planung und Errichtung der Neuen Nationalgalerie

Die Geschichte des Hauses reicht bis 1945 zurück. Auf Treiben von Adolf Jannasch und Ludwig Justie wurde vom Magistrat Berlin im Jahre 1945 die Gründung einer Sammlung des 20. Jahrhunderts beschlossen, jedoch dauerte es drei Jahre, bis es zu einem Zusammentreffen der Ankaufskommision kam. Damals fanden die Ausstellungen im Staatsratsaal des Stadtschlosses statt. Im Jahre 1949 wurde die Galerie des 20. Jahrhunderts in West-Berlin als städtische Galerie gegründet. Der Ausstellungsort war zunächst das ehemalige Landwerkskasino.

Ab 1959 bemühten sich die beiden Institutionen in Dahlem und im Schloss Charlottenburg darum, die fehlenden Werke im Bereich der klassischen Moderne zu schließen. Als im Jahre 1961 durch den Bau der Mauer die Möglichkeit gegeben wurde, die Bestände aus dem Osten und dem Westen auf lange Sicht zusammenzuführen, entschloss man sich zum Bau eines repräsentativen Gebäudes, in welchem folglich alle Werke ausgestellt werden sollten und man beauftragte hierfür den bekannten Architekten Mies van der Rohe.

Am 15. September 1968 wurde die Neue Nationalgalerie mit einer Ausstellung von Mondrian eingeweiht. Das Hauptaugenmerkt lag auf der Ausstellung der Kunst des 20. Jahrhunderts. Mit dem Namen „Neue Nationalgalerie“ sollte der Aufbruch signalisiert werden, der im Westen mit der Museumsgründung verbunden wurde.

Seit Ende 2014 ist die Neue Nationalgalerie aufgrund von Sanierungsarbeiten für voraussichtlich 5 Jahre geschlossen. Die Wiedereröffnung wurde von Hermann Parzinger, Stiftungspräsident des Preußischen Kulturbesitzes, auf voraussichtlich Mitte 2020 angesetzt.